Der Mensch ist nicht dafür gemacht, allein zu sein

21. Oktober 2015 Lesezeit:

46 Jahre. Single. 2 Kinder. Und danach? Was wird kommen, wie werde ich leben, wenn die Kinder lange aus dem Haus sind - welches wird mein Wohnmodell? Vorstellungen habe ich schon, aber sind sie durchsetzbar?

Foto: Karin Demming
Foto: Karin Demming

Ich bin kein Bauherr, der sich Häuser schaffen kann für alle, die nicht mehr so leben werden (wollen) wie vor 50 Jahren: Generationen unter einem Dach. Mein Vater ist verstorben, die Leben meiner Mama und meiner Schwester unterscheiden sich von meinem sehr. Außerdem haben sie bereits ein Haus. Meine Freundinnen und ich verdrängen noch ein Stück das Alter, stecken wir doch mitten in der zweiten Pubertät – zwischen Erwachsensein und alt sein. Noch ist alles drin, die Karten können täglich neu gemischt werden. Nur ab und zu erklingt der Satz: „Wir bleiben alle zusammen und holen uns junge Pfleger ins Haus!“ Haus? Dann spinnen wir herum, in den Köpfen entstehen wundervolle Kreationen von einem Dach über dem Kopf. Dann sind wir glücklich, bewahren uns unsere Privatsphäre, aber begegnen einander im großen Gemeinschaftssaal. Vielleicht auch lernen wir noch Bridge.

Ja, lasst uns zusammen bleiben, uns neu erfinden, die Grausamkeit im Alter kann nur heißen: Einsamkeit! Allein sein muss doch niemand mehr, und wirklich alt und verstaubt sind wir heute auch nicht mehr mit sogar 70. Wir bleiben länger jung, aktiv und geistig sehr agil, wenn – ja, wenn wir uns zusammen tun und einmal noch um Häuser ziehen, auch wenn wir eher kulturelle Stätten als Tanzpaläste ansteuern. Aber Tanzen werden wir sicherlich auch – und am liebsten auch durch grosszügig geschnittene Räume. Es gibt nichts Schlimmeres als Enge, wenngleich auch kleine Räume sehr gemütliche Refugien sein können.

Fazit: ich hätte vor dem Alter nur Angst, wäre ich allein. Sich entscheiden zu können, ob mal allein und mal in Gesellschaft, diese Freiheit der Möglichkeiten sind wichtig für mich. Für Menschen, die nicht wählen können, bietet BRING TOGETHER eine perfekte Plattform! Hier vernetzen Macher und liebevolle Mitdenker Menschen aller coleure.

Der Mensch ist nicht dafür gemacht, allein zu sein. Erst soziale Kontakte spiegeln einem den Sinn des Seins. Den Sinn des Lebens.

Ich liebe Hesses »Stufen«

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
(Hermann Hesse)

Autoren

Conni Köpp

Die Buchautorin lebt mit ihren Kindern in Hamburg und arbeitet als Texterin, Kolumnistin, Interviewerin, Rednerin, Sprecherin und Malerin. Sie ist Expterin für Wohnkosmetik und Ordnung. www.wohnkosmetik.de

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