Unser Zuhause — ein Sammelsurium?

9. Dezember 2015 Lesezeit:
Die Menschen ersaufen an äußerer Fülle und verdursten an innerer Leere! Constanze Köpp beschreibt uns, was das Festhalten an Dingen und Überschuss in den eigenen vier Wänden mit unserem Seelenleben zutun hat und warum Loslassen so viel mehr ist, als nur Entrümpeln.

Immer mehr. Mehr Außen. Mehr Fülle. Mehr Haben. Mehr Kompensation. Von allem mehr — ein Meer an »Irgendwas«. Doppelt, unbrauchbar, ungesehen, unbedeutend, ungeliebt. Ich werte nicht, ich unterscheide lediglich zwischen Menschen, die stehen bleiben und jenen, die losgehen – beim Letzteren bin ich da! Bis zum Ziel, gern auch zusätzlich als Muse und Mentorin.

So in etwa beschreibe ich, womit ich mich 8 Jahre lang beschäftigt hatte. »Die Menschen ersaufen an äußerer Fülle und verdursten an innerer Leere.«

Unser Zuhause — ein Sammelsurium? Ein Gefühl? Nicht mehr als ein paar Wände mit Dach überm Kopf? Wir haben, wenn wir SIND. Voller Erinnerungen sind, voller schöner Momente, reich an Gefühlen, Erlebnissen, Abenteuern. Worin konkurrieren die Menschen bloß — mit wem und was vergleichen sie sich immer wieder? Kann es ein Bestreben sein, einen Porsche zu fahren, wenn man doch traurig hinterm Steuer sitzt?

Im Endeffekt ist das was wir sind, genau das, was wir haben, denn es ist das einzige, das niemand uns wegnehmen, stehlen, kaputt machen kann. Dieses Festhalten an Dingen und Überschuss — was sagt es uns?

Vorher / Foto: Conni Köpp
Vorher / Foto: Conni Köpp

Wie sehr wir doch kleben an etwas, bzw. zulassen, wie etwas an UNS klebt, weil wir es nicht loswerden können. Weder mit Schönheit noch mit Freude verbinden wir die Sachen. Geht es um Erinnerungen dahinter? Machen wir Fotos, damit wir die Dinge anschauen und ihre Geschichte abrufen können, und danach lassen wir die Platzschmarotzer gehen! Meine Kunden durften sich pro Raum auf etwa 5-10 Dinge beschränken. Ich wollte die unbedingten Lieblingsstücke! Doch je voller der Raum, desto länger musste ich auf eine Antwort warten. Und am Ende wurden die Schätze erst einmal frei gegraben, weil sie unter Nippes und Sonstigem eigentlich längst erstickt waren.

Unser Zuhause ist unser persönlicher Spiegel! Wer und was umgibt uns dort? Schauen wir noch hin, und vor allem — gefällt uns, was wir sehen, wenn wir (gern) nach Hause kommen? Zuhause — der Ort des Friedens, zum Träumen, Abschalten, Verführen, Empfangen.

Warum hält man fest? Angst vor der neuen Leere? Was braucht ein Raum und was braucht sein Bewohner? Kerzen statt Strahler, Stehlampen statt Deckenfluter, eine gemütliche Sitzgruppe, einladende Atmosphäre und sauberes Klima. Wir verreisen mit nur einem Koffer in den Urlaub, doch vermissen tun wir nichts. Und kehren wir heim, wartet der Stress auf uns — aufräumen bringt nichts, loslassen ist das Ziel!

Nachher / Foto: Conni Köpp
Nachher / Foto: Conni Köpp

Wenn Sie heute ausmisten wollen, bedenken Sie: man fischt nicht aus einer vollen Schublade etwas heraus — sondern man sortiert in eine leere Schublade zurück, ein großer Unterschied, probieren Sie es aus! Was uns umgibt, sind wir! Wie viel Vorrat ist in Küchenschränken, wie viele Bücher sind ungelesen und gar unbeliebt? RAUS! Verschenken! Verkaufen! Spenden!

Raus mit Kaputtem, Ungeliebtem, Ungenutztem — der Anschaffungspreis darf niemals über der Last stehen, die wir empfinden, wenn wir uns mit etwas umgeben, an dem sich unser Herz nicht erfreut. Und wie viel brauchen wir von XY? Zig Handtücher, obwohl die Waschmaschine fast täglich läuft? Wie viel Wäschegarnitur?

Ich glaube, Menschen, die einmal alles verloren haben, kennen das Gefühl von Freiheit am besten! Und lassen wir los, können Dinge kommen, die endlich einen Platz bei uns finden. Was wünschen Sie sich am meisten? Wenn Sie nächstes Mal etwas anschaffen möchten, dann seien Sie gewiss, es ist der Kick für einen Augenblick. Danach kommt lange nichts. Wie wäre es, seinen Seelentank zu füllen, denn dort ist unbegrenzter Platz!

Schreiben Sie mir gern, wenn Sie noch Fragen oder Anregungen haben. Ansonsten gibt es mich in meinem Buch.

Buchvorstellung von Conni Köpp.

Autoren

Conni Köpp

Conni Köpp

Die Buchautorin lebt mit ihren Kindern in Hamburg und arbeitet als Texterin, Kolumnistin, Interviewerin, Rednerin, Sprecherin und Malerin. Sie ist Expterin für Wohnkosmetik und Ordnung. www.wohnkosmetik.de

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