Zukunftskonzept »Planet der Alten«

30. November 2015 Lesezeit:
Wenn man so betrachtet, welch beachtlichen Kopfstand die Alterspyramide seit ein paar Jahrzehnten macht, dann stellt man sich als Mutter eine bange Frage: Wo kommen unsere Kinder wohl mit über 80 zur Pflege unter?
Illustration: Manuela Murschetz
Illustration: Manuela Murschetz

Wird es in 50 Jahren oneway-Pauschal-Enddestinationsreisen für Senioren nach Indien geben, weil die Chinesen mit ihrer erst jetzt abgeschafften Ein-Kind-Politik die gleichen Probleme haben, und vielleicht nur noch die Inder sich kapazitätsmäßig um die Alten der Welt kümmern können!? Indien wäre dann ein geriatrischer Subkontinent.

Oder werden die Alten auf einem bis dahin erschlossenen neuen Planeten entsorgt?  Mit dem Senioren-Shuttle in Richtung »Highway to hell«, getarnt als spacige Kaffeefahrt?

Oder erledigen das doch putzige Heinzelmann-Roboter?

Nehmen wir mal an, jeder hätte dann einen virtuellen Pfleger, Modell »Mortimer«. Und für die emotionale Ansprache gäbe es noch ein Wunschhaustier dazu, eine schmusige Katze oder einen plüschigen Hund, Modell Lilly.

Mortimer würde der pflegebedürftigen Person morgens mit seinen kräftigen Roboterarmen aus dem Bett helfen, ihr eine Dusche verpassen und im Anschluss Sprühkleidung aufbringen, die sich nach 24 Stunden von selbst während des Schlafens auflöst.

Während der Malzeiten, die Mortimer aus einmal wöchentlich angelieferten Mitteln, die in Bedarfsgütercontainern angeliefert wurden, bereitet, unterhält er sich angeregt mit seinem Patienten. Mortimer speichert die Lebensgeschichte, stellt Rückfragen und projiziert Bilder aus der Vergangenheit seines Schützlings an Wände, welche Angehörige zuvor mittels Cyber-Gedankentransfer überspielt haben.

Auf Mortimers Medienprojektor laufen die dann in der Zukunft uralten Filme aus dem Hier und Jetzt, derweil krault der oder die Alte zufrieden das virtuelle Hündchen Lilly und spricht via Cyber Kommunikationskanälen mit anderen Menschen, die BRING TOGETHER  als optimale Human-Gesprächspartner ermittelt hat, sofern diese nicht einfach virtuelle Siri-Nachfolgerinnen sind, ähnlich der Funktion, die wir jetzt schon von unseren Smartphones kennen.

Die Angehörigen und ein Arzt können sich jederzeit mit Mortimer kurzschließen und sich nach dem Befinden erkundigen. Online. Dann hoffen wir mal, dass kein Hacker von Erbwilligen beauftragt werden kann, den lieben Mortimer zu animieren, ein dickes Sofakissen auf die Atemwege des Schutzbefohlenen zu drücken oder die Medikamente zu hoch zu dosieren. Da würde ich mich in einer Wohngemeinschaft mit mehreren »echten Menschen« doch viel besser fühlen! Willkommen Patchwork Community @bring-together.de!

Autoren

Katharina Cruse

Katharina Cruse

Die im Raum Köln-Bonn lebende Marketing-Managerin arbeitet u.a. für Modehandelsunternehmen und als Freelancerin für Werbeagenturen sowie als freie Autorin.

Karin Demming

Karin Demming

Die Wahl-Leipzigerin kommt ursprünglich aus dem sozialen Bereich und wechselte später in die Immobilienwirtschaft. Ihr Fokus liegt hauptsächlich auf den Grundbedürfnissen der Menschen und deren Lebensraum. Aus den Erfahrungen ihrer beruflichen Stationen entstand die Idee für bring-together.

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