FAQ – Ihre oft gestellten Fragen und unsere Antworten

bring-together beantwortet Fragen aus den Bereichen: Leben in Gemeinschaft, Wohnformen, Gemeinschaftsfindung, Gruppenbildung, Recht, Finanzierung, Förderung, Gesellschaft im Wandel, Anlaufstellen und alternative Lebensmodelle im Alter.

 

Inhalt

 

Leben in Gemeinschaft

Was ist eine Gemeinschaft?

Ein Zusammenschluss unterschiedlichster Menschen, die für ihre Zukunft gern in unmittelbaren Kontakt mit Mitmenschen kommen möchten – vor allem das Zusammenleben betreffend. Dies kann auf verschiedenste Art und Weise geschehen. Die Entscheidungen in der Gemeinschaft werden demokratisch (meist nach dem Konsens- oder Mehrheitsprinzip) getroffen.

 

Welche Vorteile bietet mir
das Leben in der Gemeinschaft?

Auswahl. Man kann sich aussuchen, mit welchen Menschen man zusammenleben möchte.

Vorsorge. Man hat längerfristig ein vertrautes Wohnumfeld.

Sicherung. Man kann zusammen in eine Immobilie investieren und diese ausbauen. 

Solidarität. Füreinander dasein, zuhören und gegenseitiges Verständnis aufbringen.

Freizeit. Keiner muss allein sein. Gemeinsame Aktionen bereichern den Alltag, auch wenn es nur Kochen, Essen und Putzen ist.

Fürsorge. Sich gegenseitig im Alltag helfen. In schwierigeren Phasen ist der Blick von aussen besonders hilfreich.

 

Wie gelingt ein Wohnkonzept zum
gemeinschaftlichen Wohnen?
— Erfahrungen aus der Praxis

Von Anfang an ist die aktive Mitbestimmung wichtig.

Offenheit und Respekt sollten Maßstab des Handelns sein.

Ausdauernd und mit Freude gemeinsame Aktivitäten durchzuführen, gehört zu den elementaren Dingen.

Bereitschaft zur längerfristigen Verantwortungsübernahme und Aufgabenteilung ist notwendig.

Eine gute Balance zwischen Nähe und Distanz muss sich entwickeln.

Nicht nur Sicherheits- und Versorgungsaspekte sollten im Vordergrund stehen.

 

Was birgt das Leben in der Gemeinschaft?

Geduld. Man muss Zeit für ein gemeinschaftliches Leben einplanen.

Vorbereitung. Der Gemeinschaftsbildungsprozess ist langwierig und muss kontinuierlich begleitet werden.

Offenheit. Um Konflikte zu vermeiden, müssen regelmäßige und z.T. zeitintensive Gespräche geführt werden. Dies ist abhängig von der Form der Gemeinschaft und deren Ziel.

Absprachen. Klare Regeln des Zusammenlebens müssen im Gruppenbildungsprozess gefunden werden.

Toleranz. Jedem muss klar sein, dass es immer viele Meinungen, Ansichten und Wahrheiten gibt.

Verständnis. Man muss akzeptieren, dass nicht immer sofort Konflikte geklärt werden können und dass Menschen die Gemeinschaft auch wieder verlassen. Manch einer findet heraus, dass das Leben in einer Gemeinschaft nichts für ihn ist.

Reflexion. An sich selbst zu arbeiten und die eigenen Erwartungen an andere Menschen zurückzustellen, gehört zu den Voraussetzungen eines jeden. Es ist nicht davon auszugehen, dass alle Menschen in der Gemeinschaft die gleichen Ansichten oder Empfindungen teilen.

Viele dieser Punkte sind immer abhängig vom Ziel der Gemeinschaft. Es ist immer ein Prozess. Man sollte zuerst für sich selbst klären, was man sucht und wie man leben möchte. Jeder Mensch hat lebensgeschichtlich eigene Präferenzen und Vorstellungen von Nähe und Distanz.

 

Kann ich aus einem Gemeinschaftsprojekt
wieder aussteigen?

Natürlich kann man aus einer Gemeinschaft wieder aussteigen. Wie, regelt die Gemeinschaft für sich. Beispielsweise müssen je nach Rechtsform die Anteile zurückgegeben werden oder Nachfolger sind zu suchen. Es ist zu empfehlen, bevor man in eine Gemeinschaft eintritt oder eine gründet, in einem Probewohnen herauszufinden, ob ein Leben in einer Gemeinschaft für einen geeignet ist. Auch bei Meinungsverschiedenheiten oder Problemen, sollte nicht gleich in Erwägung gezogen werden, die Gemeinschaft zu verlassen. Eine professionelle Begleitung durch Konfliktmanager oder Supervisoren kann dabei hilfreich sein.

 

Was gibt es bei Projekten im ländlichen Raum zu beachten?

Konflikte mit Ortsansässigen. Besonders Ortsfremde, die ein Gemeinschaftsprojekt in einem Dorf aufbauen möchten, sind erst einmal suspekt.

Gemeinschaftsprojekte werden nicht immer sofort positiv begrüßt. Ein kontinuierlicher Kontakt zu den Ortsansässigen und Transparenz des Gemeinschaftslebens ist notwendig.

 

Wohnformen

Was gibt es für Wohnformen?

Im Grunde gibt es zwölf unterscheidbare Wohnformen, die in folgende drei Bereiche gegliedert sind:

Individuelles Wohnen
— in den »eigenen 4 Wänden«, selbstständige Lebensführung
— mobiles Wohnen (Wohnwagen, »mobil homes«)

Gemeinschaftliches Wohnen
auf der Ebene Wohnung:
— Wohngemeinschaften
— Pflegewohngruppen (privat organisiert, z.B. Demenzwohngruppen)
— inklusives Wohnen
— integratives Wohnen

auf der Ebene Wohnumfeld:
— Hausgemeinschaften, Wohnen für Hilfe
— Mehrgenerationenhaus
— Mehrgenerationendörfer

Institutionelles Wohnen
— Alten- und Pflegeheim, Seniorenresidenz, Seniorenstift
— Wohnheime (für Studenten, Kinder, Inklusion, Reha)
— betreutes Wohnen
— Pflegewohngruppen (institutionell organisiert)

 

Wie finde ich die passende Wohnform für mich?
Welche Wohnform ist für mich geeignet?

Um für sich selbst die passende Wohnform zu finden, muss man sich im Klaren sein, was man möchte und wie man leben möchte. Jeder der nach Gemeinschaftsformen sucht, verfolgt bestimmte Vorstellungen und Ziele. Die Gemeinschaften, die schon gebildet wurden, definierten vorher ihre Vorstellungen und Regeln des Zusammenlebens. Daran kann man sich als Suchender gut orientieren. Gemeinschaften, die sich erst bilden, müssen ihre Wohnformen und Werte des Zusammenlebens erst noch erarbeiten und finden. Man kann ein Teil dieses Prozesses sein. Der persönliche Kontakt zu bestehenden Gemeinschaften oder ein Probewohnen, geben uns Möglichkeiten eine passende Wohnform zu finden.

 

Wie finde ich Mitstreiter?

Entweder man findet sich im Freundeskreis oder sucht über zahlreiche Netzwerke und Plattformen. Ebenso teilen sich viele der Gemeinschaftsprojekte über Internetseiten mit.

Natürlich bieten wir als bring-together eine solche Plattform. Wir unterstützen die Suche nach einem geeigneten Wohnprojekt, das auf die individuellen Interessen und Vorstellungen passt.

 

Wie kann ich mein Einfamilienhaus
an eine Gemeinschaft untervermieten?

Wenn Sie ein Objekt besitzen, das sich besonders gut für eine Gemeinschaft eignen könnte, dann können Sie dies gerne über unsere Plattform zur Verfügung stellen. Wenn Sie dieses Objekt vermieten/verkaufen möchten, treten wir mit den Interessierten in Kontakt.

Möglichkeiten des Verkaufes oder der Vermietung können u.a. sein:

Verkauf. Objekt/Immobilie wird mittels Grundbucheintrag an einen neuen Eigentümer verkauft.

Mietkauf. Kauf der Immobilie wird mit der monatlichen Miete getätigt.

Miete. Mieter und Vermieter verpflichten sich für den Erhalt des Mietgegenstandes.

Pacht. Im Vergleich zur Miete darf der Mieter einen finanziellen Nutzen aus dem Pachtobjekt ziehen. Es erfolgt meist über einen festgelegten Zeitraum.

Erbaurecht. (ehem. Erbpacht genannt) Das Objekt/Grundstück kann über einen festgelegten Zeitraum veräußert, vererbt oder belastet werden.

Genossenschaftsanteil. Das Objekt kann als Anteil oder als Kapitalgrundlage einer Genossenschaft überschrieben werden, für den Fall dass man selbst Genossenschaftsmitglied werden möchte.

 

 

Demographischer Wandel

Was ist der Demographische Wandel?

… ist die Veränderung der Bevölkerungsentwicklung und Altersstruktur über einen längeren Zeitraum hinweg.

 

Was wandelt sich in der Bevölkerung und warum?

Es verändert sich der Altersaufbau der Bevölkerung, d.h. der Anteil einzelner Altersgruppen im Verhältnis zur Zahl der Gesamtbevölkerung.

Ursachen dafür sind ein Bevölkerungsrückgang, eine geringere Sterblichkeit, eine steigende Lebenserwartung, eine geringe Geburtenentwicklung, Wanderungen und eine Altersstrukturveränderung.

Das bedeutet für die Bundesrepublik Deutschland:
— Die Zahl der im Land lebenden Menschen sinkt langfristig.
— Wir werden älter und sterben später als in früheren Generationen.
— Es werden weniger Kinder geboren.
— Menschen verändern häufiger und schneller ihren Wohnsitz.
— Es wird anteilig mehr ältere Menschen und gleichzeitig weniger jüngere Menschen geben.

 

Welche Gründe gibt es dafür?

Es gibt zahlreiche Gründe für diese Entwicklungen. Die wichtigsten werden hier aufgeführt.

Die historischen Ereignisse - das Ende des zweiten Weltkrieges und die Wiedervereinigung - führten zu einem veränderten Geburtenverhalten. Nach dem 2. Weltkrieg wurden zahlreiche Kinder geboren. Diese Generation wird als Babyboomer bezeichnet (Jahrgänge der 50er und 60er Jahre). Der sogenannte Pillenknick sowie der Geburtenknick in den 90er Jahren führten zu einer Verringerung der Kinderzahl.

1. Lebensbedingungen

Die Verbesserung der Lebensbedingungen ermöglicht ein langes Altern. Die verbesserte medizinische Versorgung führt zu einer steigenden Lebenserwartung, d.h. die älteren Menschen beziehen länger Rente bzw. leben nach Renteneintritt länger als unsere Ururgroßeltern. Auch der höhere Lebensstandard, die technischen Unterstützungen und die geringeren körperlichen Belastungen lassen jeden fitter in Rente gehen.

2. Pillenknick

Seit der Einführung der hormonellen Verhütungsmittel können Frauen selbst bestimmen, wann sie Kinder bekommen wollen. Dadurch verändert sich der Umgang mit Themen wie Familiengründung und Lebensplanung.

3. Wanderung

Gleichzeitig veränderte sich das Wanderungsverhalten innerhalb von Deutschland. Bis 1961 wanderten zahlreiche Bürger zwischen den beiden deutschen Staaten. Nach der Wiedervereinigung verließen über 1,5 Mio. Bürger die neuen Bundesländer und wanderten in die alten Länder. Seit den 2000er Jahren wandern zahlreiche Menschen in die Städte. Innerhalb der Städte kam es mit der Suburbanisierung zu Stadt-Umland-Wanderungen, die in den 70 Jahren in den alten bzw. 90er Jahren in den neuen Bundesländern stattfand.

4. Politik

Die Emanzipation und Gleichstellung von Mann und Frau veränderten die Verhaltensmuster der Menschen. Nach der Wiedervereinigung führten Unsicherheiten und veränderte gesellschaftliche Werte in den neuen Bundesländern zu einer geringeren Kinderanzahl. Diese Phase der Bevölkerungsentwicklung wird als demographischer Schock bezeichnet. Die anhaltende niedrige Geburtenrate wird sich nicht verändern, da es weniger junge Frauen geben wird, die Kinder bekommen können. Dies führt langfristig zu einem kontinuierlichen Bevölkerungsrückgang, der auch nicht mit Zuwanderungen ausgeglichen werden kann. Die Generation der Babyboomer wird ab ca. 2020 in Rente gegen.

 

Die aktuelle Alterspyramide zeigt den Altersaufbau der Bevölkerung. In der aktuellen Bevölkerungsprognose des statistischen Bundesamtes von 2015 wird geschätzt, dass die Bevölkerungszahlen für die nächsten 5 Jahre steigen werden und ab 2035 auf das derzeitige Niveau von 82,2 Mio. Einwohnern sinken werden. Danach wird die Bevölkerungszahl kontinuierlich bis 2060 auf 76,4 Mio. abnehmen. Die Bevölkerungsstruktur wird sich deutlich verändern. Die Anzahl älterer Menschen wird steigen und die Anzahl jüngerer Menschen (unter 65 Jahre) wird sinken. So sinkt beispielsweise die Anzahl der 20- bis unter 65-Jährigen von aktuell 49,8 Mio. auf 43,9 Mio. im Jahr 2035 und 39,6 Mio. im Jahr 2060.

Literatur:
Kröhnert, Steffen (2008): Bevölkerungsentwicklung in Ostdeutschland. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Berlin
Grünheid, Fiedler (2013): Bevölkerungsentwicklung. Daten, Fakten, Trends zum demografischen Wandel. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Wiesbaden
Hoßmann, Lettow, Münz (2009): Glossar. Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung. http://www.berlininstitut.org/fileadmin/user_upload/Glossar/pdf_Glossar_MK.pdf
Humanik, Schröder (2008): Sozialstruktur Deutschlands. UTB Basics. UVK Verlagsgesellschaft mbH. Konstanz
Statistisches Bundesamt (2017):  https://www.destatis.de/DE/Zahlen­Fakten/­Gesellschaft­Staat/­Bevoelkerung/­Bevoelkerungs­vorausberechnung/­Aktualisierung­Bevoelkerungsvorausberechnung.html

 

Welche wichtigen Folgen haben diese demographischen Entwicklungen?

 

1. Soziale Veränderungen

Die demographische Entwicklung führt zu einer Veränderung der Haushaltsstruktur:
— Ein- und Zwei-Personen-Haushalte nehmen zu.
— Zwei- und Drei-Generationen-Haushalte verlieren an Bedeutung.
— Junge Menschen leben allein oder in Wohngemeinschaften.

Als Gründe werden dafür die Veränderungen gesellschaftlicher Normen und individueller Lebensformen genannt. Das heißt:
— Es gibt mehr unverheiratete Paare und Paare ohne Kinder.
— Es gibt mehr Alleinerziehende.
— Es gibt mehr Kinder in nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften.
— Der Anstieg von Scheidungszahlen im mittleren/späten Alter führt zu einer »Singularisierung des Alters«.

Die aktuelle Prognose für 2035 schätzt: (1) eine Zunahme an Ein-Personen-Haushalten (2015: 41%, 2035: 44%). (2) dass es viele Ein-Personen-Haushalte in den Städten geben wird: aktuell leben 53% der Menschen in den Städten allein, 2035 könnten es 56% sein. (3) dass die durchschnittliche Haushaltsgröße bei 1,9 Mitgliedern liegen wird (zum Vergleich: 1991: 2,27 und 2015: 2,0). (4) dass insgesamt die Anzahl der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte steigen wird (von 45 Mio. auf 50 Mio.). (5) dass von den prognostizierten 50 Mio. Ein- und Zwei-Personen-Haushalten allein 26 Mio. Haushalte 60 Jahre und älter sein werden.

Die Modernisierung und Individualisierung des Lebensstils (Pluralisierung der Lebensentwürfe) lässt eine andere Lebensplanung zu (Heterogenisierung):

Der Anspruch auf Selbstbestimmung und Mitgestaltung verändert Entscheidungen in der Lebensführung. Jeder entscheidet selbst wie er (im Alter) leben möchte.

Frauen verwirklichen sich selber. Statt ein traditionelles Frauenbild zu erfüllen, gehen Frauen andere Wege. Frauen sind damit nicht mehr die klassischen Familienunterstützer und es gibt Frauen, die keine Kinder haben.

Die räumliche Distanz zwischen Familienmitgliedern (durch Beruf, Bildung) führt zum getrennten Altern der Generationen. Dies führt zur Auflösung der Mehrgenerationenhaushalte und zunehmenden Singularisierung im Alter.

Altersarmut und davon besonders betroffene alleinlebende Ältere werden zukünftige Themen in der Sozialpolitik sein.

Vorallem in den neuen Bundesländern führen geringere Einkommen zu später geringeren Renten. Die Diskontinuität in den Erwerbsbiographien, die prekären Beschäftigungssituationen und die zukünftig höhere Anzahl an Alleinlebenden (Wegzug der Kinder), führen zu einem höheren Armutsrisiko im Alter.

 

2. Baulich-Räumliche und versorgungstechnische Veränderungen

Wanderungsverhalten im ländlichen Raum: Die anhaltende Abwanderung junger Menschen aus den ländlichen Regionen in die Städte führt zum »Dorfsterben« (hoher Leerstand, Wüstungen, Wertverlust von Immobilien, Verfall von Kulturgut).

Abwasser-Trinkwasserversorgung, Straßen und Stromleitungen, Breitbandausbau: Die Abwanderung in die Städte führt dort zu einer erhöhten Nutzerzahl. In den schrumpfenden Räumen führt der Rückgang zu einer problematische Finanzierung und Erhaltung der Daseinsvorsorge sogenannter »gleichwertiger Lebensverhältnisse«.

 

3. Ökonomische und fiskalische Veränderungen

Die hohen finanziellen Aufwendungen bei geringeren Steuereinnahmen durch eine geringere Bevölkerungszahl und geringere zu versteuernden Einkommen (Renten) werden bei Beibehaltung der aktuellen Steuerpolitik problematisch werden. Die Absatzmärkte werden eine Nachfrageverschiebung in der Wirtschaft und bei Dienstleistungen sowie ein verändertes Konsumverhalten (Anteilig mehr Ältere) spüren. Der Arbeitsmarkt wird einen großen Fachkräftebedarf erleben, wenn die Babyboom-Generation ab 2020 in Rente gehen wird. In der medizinischen Versorgung (besonders in der Pflege) wird es einen großen Bedarf an Fachkräften geben:

Mit der Zunahme älterer Menschen nimmt auch die Anzahl an chronisch Kranken, von Demenz, Multimorbidität und Pflegebedürftigkeit betroffener Menschen zu. Es müssen deutlich mehr Menschen - zusätzlich noch länger - versorgt werden.

Die Anzahl zu Hause gepflegter Menschen wird vermutlich abnehmen, da die Kinder nicht mehr zu Hause oder in unmittelbarer Umgebung wohnen oder keine eigenen Kinder vorhanden sind.

Der Bedarf an professionellen ambulanten und stationären Angeboten wird steigen und gleichzeitig eine geringere Anzahl an Pflegern zur Verfügung stehen, da es aufgrund der Unattraktivität des Pflegeberufes an Nachwuchs fehlt und die Belegschaft ebenfalls altert.

Der veränderte Anspruch auf Pflegeleistungen (spezialisierte Pflege) führt zu  einem hohen Zeitaufwand und Kostendruck sowie zur Belastung des Pflegepersonals.

Die Technik wird in der Pflege zukünftig eine große Rolle spielen.

Literatur:
Statistisches Bundesamt (2017): Pressemitteilung vom 28. Februar 2017– 67/17: 43 Millionen Privathaushalte im Jahr 2035. Wiesbaden
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2006): Fünfter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland. Potenzial des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft – Der Beitrag älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen. Berlin.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2015): Siebter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland. Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften. Berlin
Bürkner, Berger, Luchmann, Tenz (2007): Der demographische Wandel und seine Konsequenzen für Wohnungsnachfrage, Städtebau und Flächennutzung. Working Paper. Erkner. Leibniz-Institut für Regional und Strukturplanung.
Leser, H. (2008): Stadtökologie in Stichworten. 2. völlig überarbeitete Auflage. Gebrüder Borntraeger Verlagsbuchhandlung. Berlin.
Peter, A. (2008): Stadtquartiere auf Zeit in einer alternden Gesellschaft. Universität Leipzig. Dissertation.

 

Politische Handlungsfelder oder
warum ist der Demografische Wandel ein Problem?

Der demografische Wandel ist ein viel diskutiertes und analysiertes Thema, aber erst seit dem Jahr 2000 in der öffentlichen politischen Debatte richtig angekommen, obwohl er schon deutlich eher bekannt und absehbar war. Thematisiert wurden vorwiegend die Finanzierung der Renten, Arbeitsmärkte (Fachkräftemangel) und das Gesundheitssystem. Dabei ist der Demographische Wandel ein viel vielschichtiger und komplexer Veränderungsprozess, der sämtliche Lebensbereiche und räumlich betrachtet, jeden Winkel dieses Landes betrifft: Städte wie ländliche Räume, Ostdeutschland wie Westdeutschland.

Großstädte stehen gerade vor der Herausforderung für den zunehmenden Zuzug jüngerer Menschen Lösungen zu finden, dürfen dabei aber nicht die älterwerdenden Stadtteile (besonders Randgemeinden) vergessen.

Kleinere Städte und Gemeinden haben das umgekehrte Problem der Überalterung und des Bevölkerungsverlustes.

Bisher hat Deutschland eher vom demographischen Wandel profitiert, da durch die geringeren Kinderwünsche der geburtenstarken Jahrgänge, weniger Kosten für den Staat in Sachen Kinderbetreuung etc. verursacht wurden. Diese Jahrgänge sorgten für hohe Steuereinnahmen und Einzahlungen in die Sozialsysteme. Der höhere Anteil an erwerbsbeteiligten Frauen und Zuwanderern steigerte die Zahl der Erwerbstätigen und Einzahlenden.

Die zweite nun beginnende Phase dieses Wandels bringt erhebliche Belastungen mit sich. »In wenigen Jahren beginnt die Verrentungswelle der geburtenstarken Jahrgänge. Dann wird die Gesellschaft immer mehr ältere Menschen mitversorgen müssen, während gleichzeitig immer weniger Junge von unten in das Erwerbsleben nachrücken.« (Kiziak, et al., 2014) Das betrifft vor allem die Kinder der Babyboom-Generation, welche nicht nur für die älteren Menschen und ihre Eltern, sondern auch für ihre eigenen Kinder sorgen müssen. Eine effektive Familienpolitik zur Unterstützung dieser Generation ist notwendig.

Die demographischen Veränderungen bringen viele Probleme mit sich, ermöglichen aber auch Chancen. Da die Politik erfahrungsgemäß einige Zeit brauchen wird, um auf die Veränderungen zu reagieren, ergeben sich viele individuelle und kreative Gestaltungsmöglichkeiten des eigenen Alterns. Es liegt an jedem selbst, welche Lösungsmöglichkeiten er für sich schafft.

Literatur:
Kiziak, Kreuter, Michalek, Woellert & Klingholz (2014): Stadt für alle Lebensalter. Wo deutsche Kommunen im demographischen Wandel stehen und warum sie altersfreundlich werden müssen. Berlin-Institut & Körber-Stiftung. Berlin. S. 10
Schmitz-Veltin, Ansgar (2009): Demographischer Wandel in Deutschland - Vielfalt der Regionen. In: Gottwald Marc & Löwer, Markus (Hrsg.): Demographischer Wandel - Herausforderung und Handlungsansätze in Stadt und Region. Arbeitsgemeinschaft Angewandte Geographie Münster e.V. Heft 40. Münster. S.11-26

 

Alternative Lebensmodelle im Alter

Was heißt Altern?

Wir altern ein Leben lang und jeder altert anders. Es ist ein individueller Prozess, der von unterschiedlichen Komponenten beeinflusst wird. Ziel dabei ist immer das individuelle Wohlbefinden, also Lebenszufriedenheit, Glück, Stabilität, psychisches und physische Gesundheit.
Minnemann, Elisabeth (1994): Die Bedeutung soziale Beziehungen für die Lebenszufriedenheit im Alter, Roderer Verlag, S. 13f

 

Was heißt erfolgreiches Altern?

Erfolgreiches Altern ist das Ziel eines jeden Menschen. In wissenschaftlichen Untersuchungen gilt die Lebenszufriedenheit als Maß dafür. Es ist die gelungene Auseinandersetzung mit den Veränderungen und Anforderungen des Alternsprozesses.

Nach dem Alterspsychologen Hans-Werner Wahl gehört Glück und Zufriedenheit zum »Salz des Alterns«. Entscheidend ist, »welche Umwelten wir uns im Alter selbst schaffen: Wenn es gelingt, uns immer wieder stimulierenden Umgebungen »auszusetzen«, dann tun wir nach allem, was die neue Altersforschung zwischenzeitlich an Belegen zusammengetragen hat viel für den Erhalt unserer allgemeinen Funktionsfähigkeit in einem sehr breiten Sinne.« Sprich Engagement für sich selbst als auch für andere Menschen.
Minnemann, Elisabeth (1994): Die Bedeutung soziale Beziehungen für die Lebenszufriedenheit im Alter, Roderer Verlag, S. 13f
Wahl, Hans-Werner (2017): Was heißt hier alt? Psychologie Heute 05/2017, S.34-41

 

Was hat Einfluss auf unser Altern?

Es gibt sechs verschiedene Einflussfaktoren, die in jeder unserer Lebensphasen wirken.

1. Wohnumfeld
2. soziale Beziehungen
3. finanzieller Rückhalt
4. gesellschaftliche Prozesse
5. Lebensstil, Lebensbedingungen, Biographie
6. individuelles Wohlbefinden

 

Wie wollen wir altern?

Unser Altern gestalten wir selbst. Wir sind selbst dafür verantwortlich. Wir haben heute eine deutlich längere Lebenserwartung. Wir sind gesünder und altern gesünder. Unsere Lebenseinstellung ist entscheidend für diesen Prozess, denn sich jungfühlende und positiv  gegenüber ihrem Älterwerden eingestellte Menschen sind gesünder bis ins hohe Alter und haben eine längere Lebenserwartung. Daher sollten wir uns frühzeitig entscheiden, wie wir altern möchten und für unser Dasein selbst sorgen.
Wahl, Hans-Werner (2017): Was heißt hier alt? Psychologie Heute 05/2017, S.34-41

 

 

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