Was ist eine Gemeinschaft?

10. Juni 2016 Lesezeit:
Was ist eigentlich eine Gemeinschaft, was eine Familie? Wo beginnt eine Sippe und wo hört sie auf? Und was hatte es eigentlich mit dem Stamm auf sich? Welche Funktion hat der Stamm oder der Clan in der Konstruktion von Gemeinschaft?

Starten wir mit dem heiligen und gepriesenen Wort: Familie (lateinisch familia "Hausgemeinschaft") - bezeichnet soziologisch eine durch Partnerschaft, Heirat, Lebenspartnerschaft, Adoption oder Abstammung begründete Lebensgemeinschaft - zitiert aus Wikipedia.

Wie wir erkennen können, ist bereits die Familie vor allem eine Entscheidung. Erst in der letzten Konsequenz zählt die Abstammung als Attribut der Zugehörigkeit zu einer Konstruktion diesen Namens. Und vor allem handelt es sich um ein Miteinander in "einem Haus". Wir erinnern uns noch: familia = Hausgemeinschaft. Korrekterweise sind also unsere Verwandten, die nicht mit uns in einer Hausgemeinschaft leben, auch nicht unsere Familie. Das gleiche Blut ist wohl zu wenig, um dauerhafte Gemeinsamkeiten zu bilden. 

Gern wird heute unter dem heiligen Begriff der Familie vor allem die Kleinfamilie verstanden. In der Praxis zeigt sich diese jedoch, direkt nach der Alleinerziehung, als die nächstproblematischste soziale Konstruktion mit dem höchsten Schuldzuweisungspotential. Wir kennen heute kaum eine Kleinfamilie, die nicht zerbrochen ist... 

Politisch wird die Kleinfamilie seit den 1950er Jahren, ähnlich wie bereits in der NS-Zeit, gefördert. Warum nur? Ist diese Konstruktion womöglich am leichtesten kontrollierbar und gut zu manipulieren? Mancherorts wird behauptet, der hohe Frustrationsgrad fördere immens das Konsumverhalten als gewollte Form der Kompensation. Die Förderung der Kleinfamilie ist mit dem gesunden Menschenverstand jedenfalls nicht ganz nachvollziehbar.

Was ist denn nun dann eine richtige Gemeinschaft? In der Soziologie und der Ethnologie bezeichnet sie eine überschaubare soziale Gruppe, deren Mitglieder durch ein starkes "Wir-Gefühl" eng, oftmals über Generationen, miteinander verbunden sind. Die Gemeinschaft gilt als ursprüngliche Form des Zusammenlebens und als Grundelement der Gesellschaft - wie bereits auch der Urgesellschaft. Das behauptet jedenfalls ebenso Wikipedia. Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen:

Gemeinschaft ist also das Grundelement der menschlichen Gesellschaft seit jeher. Haben wir das etwa vergessen!?

Welches sind also die längst vergessenen Konstruktionen der menschlichen Gemeinschaften, welche wohl in den Wirren der Weltkriege verloren gegangen scheinen? Ist das vielleicht:

Der Clan (schottisch: clann "Kinder") war ursprünglich eine größere Familiengruppe in Schottland, die ein abgegrenztes Gebiet bewohnte und ihre Herkunft auf einen gemeinsamen Urahnen zurückführte.

Die Sippe (althochdeutsch: sippia, wahrscheinlich etymologisch mit dem Namen der Göttin Sif identisch) bezeichnet eine verwandtschaftlich zusammengehörige Gruppe von Menschen, eine Großfamilie mit gemeinsamer Herkunft und (vor allem in vorstaatlichen Gesellschaften) mit religiöser, wirtschaftlicher und politischer Funktion.

Der Stamm (auch Volksstamm. Abgeleitet von den 12 Stämmen Israels im 2. Buch Mose) bezeichnet umgangssprachlich eine wenig komplexe gesellschaftliche Organisationsform, deren Mitglieder durch das Verständnis einer gemeinsamen Abstammung und durch gegenseitige Verwandtschaftsbeziehung zusammengehalten werden. Ethnologisch besetzt der Stamm vielmehr eine soziale Gruppe, die sich durch ihre kulturelle, religiöse und ethnische Identität definiert.

Sind das die geheimen sozialen Gesundmacher der vergangenen Tage? Wie es scheint, nicht wirklich. 

Irgendwie erinnern sie an längst verblasste Fotografien und die leicht muffige Großeltern-Kleidung. Irgendetwas muss an ihnen einst funktioniert haben. Denn sichtlich hielt dieser "Sozial-Mörtel" hunderte, gar tausende von Jahren, irgendetwas davon muss doch noch verwertbar sein!? 

... Aber das ist eine andere Geschichte - die nächste in dieser Artikel-Serie - Die Geschichte der Gemeinschaft... 

Autoren

DerPHILANTHROPIANIER

DerPHILANTHROPIANIER

Der Architekt und Inhaber einer Berliner Tango-Schule Markus Peter Ibrom schreibt unter verschiedenen Pseudonymen. Er initiiert und betreut Wohn- und WirkensGemeinschaften seit gut einem Dutzend Jahre. Als Visionär setzt er sich praktisch für die Verwirklichung des Wahlverwandtschaftsgedankens ein. www.philanthropianier.org

Weitere Artikel der Serie