Alternative Lebensmodelle im Alter

20. Oktober 2017 Lesezeit:

Mit diesem Thema müssen wir uns alle früher oder später auseinandersetzen. Je eher desto besser. Aus diesem Grund schaut unsere Gerontologin Maria Baumert auf das Altern im Allgemeinen und alternative Modelle im Speziellen.

Was heißt Altern?

Wir altern ein Leben lang und jeder altert anders. Es ist ein individueller Prozess, der von unterschiedlichen Komponenten beeinflusst wird. Ziel dabei ist immer das individuelle Wohlbefinden, also Lebenszufriedenheit, Glück, Stabilität, psychisches und physische Gesundheit.
Minnemann, Elisabeth (1994): Die Bedeutung soziale Beziehungen für die Lebenszufriedenheit im Alter, Roderer Verlag, S. 13f

 

Was heißt erfolgreiches Altern?

Erfolgreiches Altern ist das Ziel eines jeden Menschen. In wissenschaftlichen Untersuchungen gilt die Lebenszufriedenheit als Maß dafür. Es ist die gelungene Auseinandersetzung mit den Veränderungen und Anforderungen des Alternsprozesses.

Nach dem Alterspsychologen Hans-Werner Wahl gehört Glück und Zufriedenheit zum »Salz des Alterns«. Entscheidend ist, »welche Umwelten wir uns im Alter selbst schaffen: Wenn es gelingt, uns immer wieder stimulierenden Umgebungen »auszusetzen«, dann tun wir nach allem, was die neue Altersforschung zwischenzeitlich an Belegen zusammengetragen hat viel für den Erhalt unserer allgemeinen Funktionsfähigkeit in einem sehr breiten Sinne.« Sprich Engagement für sich selbst als auch für andere Menschen.
Minnemann, Elisabeth (1994): Die Bedeutung soziale Beziehungen für die Lebenszufriedenheit im Alter, Roderer Verlag, S. 13f
Wahl, Hans-Werner (2017): Was heißt hier alt? Psychologie Heute 05/2017, S.34-41

 

Was hat Einfluss auf unser Altern?

Es gibt sechs verschiedene Einflussfaktoren, die in jeder unserer Lebensphasen wirken.

1. Wohnumfeld
2. soziale Beziehungen
3. finanzieller Rückhalt
4. gesellschaftliche Prozesse
5. Lebensstil, Lebensbedingungen, Biographie
6. individuelles Wohlbefinden

 

Wie wollen wir altern?

Unser Altern gestalten wir selbst. Wir sind selbst dafür verantwortlich. Wir haben heute eine deutlich längere Lebenserwartung. Wir sind gesünder und altern gesünder. Unsere Lebenseinstellung ist entscheidend für diesen Prozess, denn sich jungfühlende und positiv  gegenüber ihrem Älterwerden eingestellte Menschen sind gesünder bis ins hohe Alter und haben eine längere Lebenserwartung. Daher sollten wir uns frühzeitig entscheiden, wie wir altern möchten und für unser Dasein selbst sorgen.
Wahl, Hans-Werner (2017): Was heißt hier alt? Psychologie Heute 05/2017, S.34-41

 

Was gibt es für Wohnformen?

Im Grunde gibt es zwölf unterscheidbare Wohnformen, die in folgende drei Bereiche gegliedert sind:

Individuelles Wohnen
— in den »eigenen 4 Wänden«, selbstständige Lebensführung
— mobiles Wohnen (Wohnwagen, »mobil homes«)

Gemeinschaftliches Wohnen
auf der Ebene Wohnung:
— Wohngemeinschaften
— Pflegewohngruppen (privat organisiert, z.B. Demenzwohngruppen)
— inklusives Wohnen
— integratives Wohnen

auf der Ebene Wohnumfeld:
— Hausgemeinschaften, Wohnen für Hilfe
— Mehrgenerationenhaus
— Mehrgenerationendörfer

Institutionelles Wohnen
— Alten- und Pflegeheim, Seniorenresidenz, Seniorenstift
— Wohnheime (für Studenten, Kinder, Inklusion, Reha)
— betreutes Wohnen
— Pflegewohngruppen (institutionell organisiert)

Autoren

Maria Baumert

Die Gerontologin und Sozialgeographin gibt Einblick in die Forschungswelt über das Altern. Wie altern wir? Was beeinflusst uns dabei? Wie können wir in jedem Alter unsere Umwelt gestalten? Aktuell lebt und arbeitet sie in Leipzig als Sozial- und Raumplanerin.

Mary-Anne Kockel

Die Interaction Designerin setzt seit 2009 unter dem Namen »Paka/me« Auftragsarbeiten im Online Bereich um und rief 2017 den community-basierten Projektraum »H4Space« ins Leben. Alles abseits ausgetretener Wege und jeder Funke von Querdenken lässt Ihr Herz höher schlagen.

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